Honeckers Nachrichtenloch für Dresden
Wer Nachrichten aus Dresden durchdenkt, der wird durchaus im ersten Schritt an Honecker denken.
Denn die größte sächsische Metropole hatte es in den letzten 30 Jahren schwer:
Wer an Auskünfte kommen wollte, der musste schon eine Weile fahren. In der eigenen Bleibe vor dem eigenen TV-Gerät kam außer dem klassischen Station kaum eine andere Aufnahme. Damit war die Dresdner Zeitung das einzige Informationsmedium.
Das Bild des imperialistischen Auslands gab es nur an anderen Käffern in Elbnähe. In Elbflorenz gab es anstatt News nur Punkte auf dem Schirm.
Aber wieso das denn? Die Lösung ist logisch: Dresden ist in einer empfangstechnisch ziemlich schweren Lage. Etwas anderes zu empfangen als die typischen Dresden Nachrichten ist daher kaum möglich. Die Stadt liegt unten in einem Tal. Die Berge auf allen Seiten verhinderten also ein einfaches Anschauen der Westkanäle. Aktuelle wichtige politische Nachrichten waren somit unmöglich zu bekommen. Traurig aber die Wahrheit: In Dresden wusste keiner, was in der BRD passierte.
Mit etwas Aufwand ließ sich der Makel aber beheben: Dresdner gingen bei wichtigen Programmen gerne in andere Dörfer, um den talbedingten Informationsdunst zu umgehen. Vor allem in anderen Bereichen in Sachsen gab es Programme und Nachrichten sehr schnell. Und wichtig: Man sollte den Fernseher nur leiser stellen, der Nebenmann sollte doch nicht wissen, dass die Dresdner keine Nachrichten erhalten konnten.
Jedoch wie sehen die Landeshauptstädter heute die Welt der aktuellen Nachrichten? Ganz sicher, 21 Jahre nach dem Mauerfall sind die Stories vom Tal der Ahnungslosen und die wahnsinnigen Fahrten in benachbarte Städte nur noch Gute-Nacht-Geschichten. Dresden ist mittlerweile tief im neuen Jahrhundert verankert. Mittlerweile sind fast alle größeren Zeitungen im Netz, die die Dresdner mit Neuigkeiten aus Sport, Promi-Kultur oder Party versorgen. Nun sind Nachrichten zum Durchlaufprodukt geworden. Zuletzt auch in Dresden.
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